Bindungstraumata Teil 4 – Autonomie

Warum geben Kinder ihre Autonomie auf? Wie alle Mechanismen, die die Kreativität unserer Psyche im Kindesalter sich ausdenkt, dient die Aufgabe der Autonomie im dazu, die Bindung zu unseren Eltern sicher zu stellen. Denn das Kind möchte nicht (emotional) verlassen werden. Oder sich von der Überfürsorge der Eltern erdrücken lassen.

Die Mechanismen nützen und schützen uns in der Kindheit, wir sollten sie deshalb anerkennen und ihnen dankbar sein. Wichtig ist es jedoch, unsere Handlungsweisen im Erwachsenenalter zu erweitern.

Die Aufgabe der Autonomie äußert sich in zwei Versionen. Die erste ist, dass wütend und rebellisch gegen Autoritäten gehandelt wird, die andere Seite ist eine überangepasste Liebenswürdigkeit und Gehorsamkeit. Bloß niemand enttäuschen. Deshalb nicht nein sagen und keine Grenzen setzen. Dabei überschreiten diese Menschen ihre eigenen Grenzen. Langfristig ist Burnout die Folge. Klein beigeben oder offen rebellieren. Andere Möglichkeiten kennen sie nicht.

Diese Menschen haben gelernt, dass sie Liebe bekommen, wenn sie Bedingungen oder Forderungen erfüllen und es den anderen Menschen recht machen müssen. Die Macht der Eltern macht es dem Kind schwer, sich für sich selbst zu entscheiden.
Als Erwachsene fällt es ihnen dann schwer, Nähe zu zulassen. Denn Nähe ist in ihrem System mit Selbstaufgabe verknüpft. Oder sie geben sich auf, spielen eine Rolle und fressen die Wut in sich hinein. Oft sind dann Autoimmunerkrankungen die Folge.

„Nur wenn ich die Erwartungen der Anderen erfülle bin ich gut“, meinen sie und setzen sich unter einen großen Leistungsdruck. Oft sind es nicht einmal die Erwartungen der Anderen, die sie erfüllen, sondern die Erwartungen, von denen sie glauben, dass die Anderen sie hätten.

Sich für Andere stark machen fällt ihnen leicht, sich selbst vergessen sie jedoch dabei. Sie bauen inneren Druck auf, erkennen dies jedoch nicht und suche im Außen nach den Schuldigen.

Erfinderisch wie die Menschen nun mal sind, kreieren sie unterschiedliche Bewältigungsstrategien:

  • • Passive Aggression (oh, das habe ich vergessen, tut mir leid)
    • Aufschieberitis
    • taktieren
    • zeigen ihre Gefühle nicht
    • sie erreichen ihre Ziele mit Mühe und Anstrengungen
    • eine sehr selbstschädigende Strategie: Entwicklung von Schuldgefühlen und    ewigem Grübeln
    • machen sich übermäßig viele Gedanken, was für die Anderen richtig wäre

Oft zeigen sich psychosomatische Probleme wie Magengeschwüre, Darmprobleme oder Schmerzen für die keine medizinische Diagnosen gefunden werden. Unsere Seele kann nur über Bilder (Träume) oder den Körper zu uns sprechen. „Ändere etwas“, schreit sie.

Was hilft?

  1. Lernen die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen
  2. Sich erlauben, die eigenen Bedürfnisse an erste Stelle zu stellen (warum, darüber demnächst mehr)
  3. Lernen sie verbal und nonverbal kongruent und wertschätzend zu kommunizieren
  4. Lernen die eigenen Bedürfnisse wertschätzend zu verteidigen
  5. Lernen sie mit gutem Gewissen zu leben