Frühkindliche Bedürfnisse nach Einstimmung

Nachdem ich in meinem letzten Blog-Artikel über die frühkindlichen Bedürfnisse nach „Kontakt“ geschrieben habe, geht es heute um das Bedürfnis nach Einstimmung. Was genau ist das überhaupt? Befriedigt wird es durch das Gestillt werden, durch Blickkontakt, Hautkontakt, Berührung und Geborgenheit. Ein Säugling kann davon nicht genug bekommen. Die Befürchtung, ihn zu verwöhnen, ist absolut falsch. Das Gegenteil ist richtig, er wird für das Leben gestärkt.

Ein Baby ist vollständig darauf angewiesen, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden. Denn es ist von sich auch dazu noch nicht in der Lage. Wird ein Bedürfnis nicht erfüllt, dann schreit es und erlebt dabei eine innere Hilflosigkeit und ein Ausgeliefert-Sein. Werden seine Bedürfnisse chronisch nicht erfüllt,  resigniert es. Um den Schmerz nicht zu spüren, lernt es, sie zu ignorieren.

Hautkontakt, BerührungDiese Menschen haben es als Erwachsene dann schwer, ihre Bedürfnisse zu äußern und zu ihnen zu stehen. Denn sie befürchten ständig, zurückgewiesen zu werden. Oft schämen sie sich, überhaupt etwas zu brauchen. Oder sie reden sich ein, dass sie keine Bedürfnisse hätten. „Ich bin die Seite die gibt, aber ich selbst brauche nichts.“ Menschen mit Helfersyndrom zum Beispiel.

Warum ist der Umgang mit solchen Menschen  immer einfach. Es sind Menschen, die sich nicht trauen zu sagen, was sie brauchen. Auf der anderen Seite hoffen sie, dass der Partner, die Arbeitskollegen oder die anderen Mitmenschen ihnen an der Nasenspitze ansehen, was gebraucht wird. Sie hoffen, dass es ihnen gegeben wird. Sollte dies sogar gelingen und durch ein Zufallstreffer wurde der Wunsch erfüllt, dann ist der Erfolg nur von kurzer Dauer. Denn Menschen mit einer Einstimmungsproblematik haben oft das chronische Gefühl, immer zu kurz zu kommen.

Vertrauen in andere Menschen kennen diese Menschen praktisch nicht. Auch Lebensfreude zu erleben fällt ihnen schwer. Sie rennen ihr ganzes Leben lang dem Glück hinterher, denn sie meinen, dass glücklich sein von äußeren Faktoren abhängt. Wenn ich den tollen Urlaub mache…., Wenn ich endlich eine gute Beziehung habe……., genügend Geld…., dann bin ich glücklich. Lebensfreude aus dem Inneren heraus herzustellen, ist ihnen fremd.

Eine Mutter, die zwar körperlich anwesend ist, aber sich selbst nicht spürt, versorgt das Kind zwar auf der materiellen Ebene (satt, sauber, trocken), aber vernachlässigt die emotionale Ebene. Längere Trennung von  oder Krankheit der Bezugsperson, Mütter, die keine sichere Bindung eingehen können, familiäre Traumata, Weggeben des Kindes, all das sind Gründe für die Entstehung der Einstimmungsproblematik,

Mehrere Schritte sind notwendig, um eine Heilung zu unterstütze

  • Es muss gelernt werden, die eigenen Bedürfnisse überhaupt bewusst wahr zu nehmen
  • Aus Sicht des autonomen Nervensystems ist es wichtig, dass man die eigenen Bedürfnisse immer – die        Umgebung wertschätzend – an erste Stelle stellt. Denn nur dann bleibt man in der inneren Ruhe, in der Wertschätzung, Achtung und Gelassenheit, wenn zwei Bedürfnisse aufeinander prallen
  • Es muss gelernt werden, die eigenen Bedürfnisse verbal und nonverbal kongruent, authentisch und wertschätzend zu kommunizieren
  • Man muss sie wertschätzend verteidigen
  • Man muss sie mit absolut gutem Gewissen leben.

Sobald das autonome Nervensystem (Test über den kinesiologischen Muskeltest) für die Punkte 1-5 in Balance bleibt, ist die größte Hürde genommen. Patienten erzählen mir immer wieder, dass diese Stärkung eine tiefgreifende und positive Veränderung in ihrem Leben bewirkte.