Bindungs- und Entwicklungstrauma Teil 1 – zwei Namen, ein Phänomen

Wir haben alle schon mit Bindungstraumata Bekanntschaft gemacht. Entweder, weil wir sie selbst, oder weil wir mit Menschen zu tun haben, die sie erlebt haben.

Gemäß den Autoren, Laurence Heller und Aline Lapierre, in „Entwicklungstrauma heilen“, gibt es fünf Kernbedürfnisse eines Kindes:

• Bedürfnis nach Kontakt
• Bedürfnis nach Einstimmung
• Bedürfnis nach Vertrauen
• Bedürfnis nach Autonomie
• Bedürfnis nach Liebe/Sexualität

Bindungstraumata entstehen, wenn biologisch begründete Kernbedürfnisse als Säugling oder Kleinkind nicht erfüllt werden. Aber unser Gehirn ist ja schlau, es bildet Überlebensmechanismen aus. Heute widme ich mich dem Bedürfnis nach Kontakt und was passiert, wenn dieses Bedürfnis nicht erfüllt wird.

Unsere Fähigkeit, wirklich mit anderen Menschen in Kontakt zu gehen, wird während der Schwangerschaft und während des ersten halben Lebensjahres maßgeblich gelegt. Kinder, die nicht gewollt sind, die ein Geburtstrauma, ein sehr frühes Schocktrauma oder Vernachlässigung (zu wenig körperlichen Kontakt reicht) erleben, sind darin gestört, zu sich und ihrem Körper und zu anderen Menschen angemessenen Kontakt aufzunehmen. Sie bilden verzerrte Muster (adaptive Überlebensstrukturen) aus, die ihnen die Bindung an die Eltern sicher stellen sollen. Als Kind werden diese Muster gebraucht, im Erwachsenenalter behindern sie jedoch ein autonomes Leben. Die Kinder bezahlen einen hohen Preis für diese Anpassungsleistung, den sie

1. bewirkt eine Verspannung und Versteifung der Muskulatur und
2. eine Aktivierung und ein gestörtes Gleichgewicht des autonomen Nervensystems und der Biochemie des Körpers.

Wurde das Kernbedürfnis nach Kontakt massiv gestört, gibt das Kind das Gefühl auf, überhaupt zu existieren. Es versucht sich unsichtbar zu machen, indem es aus dem Kontakt herausgeht. Es geht sogar so weit, dass es den eigenen Körper nicht mehr spürt. Der Kopf und das Denken steuern alles. Der Körper wird dissoziiert.

Wenn mein Vater sagte: „Aber du hast es doch überlebt“, dann machte mich das als Kind innerlich sehr wütend. Denn er hatte meine Not nicht gesehen. Jedoch, wenn er meine Not gesehen hätte, hätte er seinen eigenen Schmerz ansehen müssen. Heute ist mir bewusst, dass sein Kernbedürfnis nach Kontakt nicht erfüllt wurde und deshalb das Wichtigste in seinem Leben einfach das Überleben ist.

Menschen, deren Kontaktbedürfnis nicht erfüllt wurde, schämen sich, überhaupt zu existieren und haben das Gefühl, nirgendwo dazu zu gehören. Oder sie sind stolz darauf, ein Einzelgänger zu sein und niemand zu brauchen.
Oft ist ihr Leben von der Ambivalenz nach Kontakt oder starke Vermeidung von Kontakt geprägt. Sie vermeiden sogar den Kontakt zu sich selbst,denn in ihrem Innersten sind sie davon überzeugt, dass sie sterben, wenn sie etwas fühlen.

Wenn ich bei diesen Menschen über den Muskeltest nachfrage, ob sie ein Recht zum Leben haben, zeigt mir der Muskel bei dieser Aussage einen Stress an. Das bedeutet, dass sie unbewusst davon überzeugt sind, kein Recht zum Leben zu haben.

Viele Verhaltensweisen resultieren aus dem nicht befriedigten Bedürfnis nach Kontakt, zum Beispiel

• Gefühle können weder gespürt nicht geäußert werden
• Können andere Menschen nicht um Unterstützung bitten
• Können keine Grenzen setzten, halten lieber Abstand oder ziehen sich zurück
• Stellen Beziehungen zu Menschen vom Verstand her, nicht aus dem Gefühl heraus
• Merken nicht, dass sie keinen Kontakt zu ihrem Körper haben
• Haben Probleme mit Nähe
• Fühlen sich oft nicht wohl, wenn sie mit anderen Menschen zusammen sind
• Starkes Kontrollbedürfnis
• Sind nicht im eigenen Körper angekommen, und sind deshalb oft stark zu Spiritualität hingezogen.

Aber nicht nur die Psyche leidet, auch der Körper zeigt mit der Zeit Symptome. Denn durch die Traumatisierung wurden der Hormonhaushalt und das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems nachhaltig gestört. Dies zieht körperliche Folgen nach sich wie

• Migräne
• ADS/ADHS
• Dissoziation
• Reizdarm, Verdauungsprobleme
• Überempfindlichkeit gegen Umweltreize, Allergien
• Asthma
• Koliken
• Depression
• Fibromyalgie
• Chronisches Erschöpfungssyndrom
• Skoliose
• Ängste und Panikattacken.

Arbeit mit dem Körper und dem Energiesystem des Körpers können die Verhaltensweisen umkehren und die Krankheiten lindern.