Emotionen und Gefühle unterscheiden

Es ist nicht einfach, Emotionen von Gefühlen aus dem Hier und Jetzt zu unterscheiden.

Ich kenne sie, die Situationen in denen ich einfach emotional reagiere und ich hinterher  bemerke, dass ich mich mit der Situation irgendwie unwohl fühle. Eine ganz leise Stimme in meinem inneren sagt mir, dass meine Reaktion nicht passend war. Aber da war doch dieses „Gefühl“, meiner Wut, Angst oder Trauer! Warum sagt meine leise Stimme, dass der Adressat meines Gefühls irgendwie nicht der richtige ist?

Unsere Amygdala (Mandelkern, ein Gehirnteil des limbischen Systems) vergleicht wie ein Computerprogramm zuverlässig und sehr schnell jede Situation aus dem Hier und Jetzt mit Situationen aus der Vergangenheit. Wenn die heutige Situation einer Situation der Vergangenheit, die schlecht für uns war, ähnelt, schlägt sie Alarm. Die alte Situation wird getriggert und alle Gefühle, die wir damals in unserem Körper geparkt haben, weil sie zu schmerzhaft waren, kommen wieder hoch. Sie bewegen sich heraus. Das Wort Emotion kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so etwas wie bewegen. Ein „altes Gefühl“ bewegt sich im Körper.

Die Situation heute hat nicht mit der alten Situation zu tun, außer, dass sie ihr ähnelt. Dazu ein Beispiel. Wenn wir den unbewussten Satz aus der Kindheit in uns haben, dass wir nicht gewollt werden, dann schmerzt es heute, wenn unser Partner keine Zeit für uns hat.  Es ist der Schmerz des Kindes in uns, der sich bemerkbar macht. Als Kind waren wir von unseren Eltern abhängig, wenn sie uns das Gefühl gaben, nicht gewollt zu sein, löste das einen ungeheuer großen Schmerz aus. Von den Menschen, die uns am nächsten sein sollten, emotional weggestoßen zu werden, ist für ein Kind fast nicht aushaltbar.

Unsere Amygdala kennt leider Zeit nicht, denn sie ist in einem Gehirnteil verortet, der zeitlos ist. Sie hat also noch nicht begriffen, dass viele Situationen, die für uns als Kind „bedrohlich“ waren, für erwachsene Menschen mit Leichtigkeit bewältigt werden können.

Was passiert jedoch, wenn uns unsere Amygdala darauf aufmerksam macht, dass wir an einem alten Schmerz getriggert werden. Wir werden emotional und reagieren für die heutige Situation unangemessen heftig. Dies macht Beziehungen oft schwierig.

Wie kann ich Gefühle aus der Jetzt-Zeit und getriggerte Emotionen unterscheiden? Hier gibt uns Diana Richardsen in dem lesenswerten Buch „Zeit für Gefühle“ auf den Seiten 24ff wichtige Hinweise. Einige daraus möchte ich aufführen:

  • „Du gibst anderen Menschen die Schuld an der Situation oder am eigenen Unglück.“
  • „Du benutzt die Worte nie oder immer.“
  • „Du merkst, dass Du eng wirst, dass du dich zusammenziehst und von der Umwelt trennst, dich alleingelassen und einsam fühlst“.
  • „Du bist auf der Hut und in Abwehrstellung.“
  • „Es geht Dir um richtig und falsch.“

Beobachtet Euch und wenn ihr merkt, dass ihr emotional seid nehmt eine Auszeit. Informiert eure Mitmenschen, dass ihr eine Auszeit braucht und das Gespräch fortführen möchtet, sobald ihr wieder ruhiger seid.